Man kann nicht nicht kommunizieren, aber man kann es gründlich falsch machen
„Man kann nicht nicht kommunizieren.“
Dieser Satz von Paul Watzlawick wird seit Jahrzehnten zitiert, oft missverstanden und selten wirklich reflektiert.
Wir kommunizieren pausenlos: in Meetings, Mails, Chats und Calls. Doch trotz permanenter Verbindung scheitern Verständigung, Vertrauen und Beziehung oft schon an den einfachsten Dingen.
Kommunikation ist mehr als Worte. Sie ist Beziehungsgestaltung, Deutung und Resonanz. Wer nur das erste Axiom kennt, übersieht, dass Kommunikation ein komplexes Zusammenspiel von Inhalt, Emotion und Wirkung ist.
Was Watzlawick wirklich sagen wollte
Watzlawick beschrieb Kommunikation als System aus fünf Axiomen.
Sie wirken zusammen und zeigen, wie leicht Missverständnisse entstehen, wenn wir sie nicht beachten.
1. Man kann nicht nicht kommunizieren.
Auch Schweigen ist eine Botschaft.
2. Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt.
Was wir sagen, wird immer durch die Beziehungsebene gefiltert.
3. Kommunikation ist immer Ursache und Wirkung.
Jeder Beitrag beeinflusst den nächsten.
4. Menschliche Kommunikation bedient sich digitaler und analoger Modalitäten.
Worte, Tonfall, Körpersprache – alles wirkt gleichzeitig.
5. Kommunikation ist symmetrisch oder komplementär.
Macht, Rollen und Status prägen, wie wir sprechen und verstehen.
Oft wird nur das erste Axiom berücksichtigt und propagiert. Das führt dazu, dass Kommunikation als Einbahnstraße verstanden wird, anstatt als lebendiger Prozess, der Beziehung gestaltet.
Man kann nicht nicht kommunizieren, aber man kann es gründlich falsch machen
Kommunikation findet natürlich immer statt: Selbst wenn wir schweigen, ausweichen oder nicht reagieren, senden wir Botschaften.
Jede Geste, jede Pause, jede E-Mail ist Teil eines Kommunikationsprozesses. Doch genau hier liegt das Problem: Kommunikation ist allgegenwärtig, aber selten bewusst.
Wenn Kommunikation zur Falle wird
In Organisationen, Teams und Projekten entstehen Missverständnisse nicht, weil zu wenig gesprochen wird, sondern weil das Gesagte unterschiedlich verstanden wird.
Wer nur glaubt, Kommunikation finde automatisch statt, vergisst, dass sie auf mehreren Ebenen geschieht: inhaltlich, emotional, nonverbal und kontextabhängig.
So entstehen Situationen, in denen Teams an einem Strang ziehen, aber in entgegengesetzte Richtungen.
Wo gute Absichten an falschen Interpretationen scheitern. Wo E-Mails ganze Projekte lahmlegen, weil Ton, Kontext oder Haltung fehlen.
Kommunikation ist Beziehung
Ein zentrales Axiom lautet: Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt.
Was gesagt wird, ist nur die eine Seite – wie es gesagt wird, die andere. Führungskräfte, die nur Inhalte transportieren, ohne Beziehungen zu gestalten, riskieren, dass ihre Botschaften ins Leere laufen. Kommunikation ist kein reines Informationssystem, sondern ein soziales Geflecht.
Im Kontext von New Work und agiler Zusammenarbeit bekommt diese Erkenntnis neue Bedeutung. In selbstorganisierten Teams, in denen Hierarchien abgebaut und Verantwortung geteilt wird, entscheidet Kommunikation über Vertrauen, Transparenz und Wirksamkeit.
Warum Zuhören wichtiger ist als Reden
Wirklich gute Kommunikation beginnt nicht mit dem Sprechen, sondern mit dem Zuhören. Aktives Zuhören, Empathie und das Bewusstsein für unterschiedliche Wahrnehmungen sind die Basis jeder Zusammenarbeit. Wer in Meetings nur wartet, bis er selbst reden darf, hat schon verloren. Kommunikation bedeutet, Resonanz zu erzeugen, nicht nur Geräusche.
Kommunikation als Schlüssel zur Transformation
Transformation gelingt nicht durch Tools oder Methoden, sondern durch Haltung. Und diese Haltung zeigt sich vor allem in der Art, wie Menschen miteinander reden, Konflikte lösen und Bedeutung aushandeln. In einer Arbeitswelt, die sich immer schneller verändert, wird Kommunikation zur Kernkompetenz jeder Organisation.
Sie ist kein Soft Skill, sondern ein strategischer Erfolgsfaktor.
Was wir daraus lernen können
Kommunikation ist kein Werkzeug, das man einfach bedienen kann. Sie ist eine Haltung. Wer sich wirklich auf sie einlässt, erkennt Muster, Dynamiken sowie Spannungen und kann sie bewusst gestalten.
Organisationen, die Watzlawicks Axiome verstehen, kommunizieren nicht mehr „richtig“, sondern bewusster. Sie schaffen Räume, in denen Menschen gehört werden und Zusammenarbeit gelingt.
Fazit
Kommunikation ist unausweichlich, aber sie ist lernbar.
Wer sich mit den fünf Axiomen von Paul Watzlawick auseinandersetzt, erkennt schnell, dass bewusste Kommunikation weit mehr ist als Worte.
Sie ist der Spiegel unserer Beziehungen, unserer Haltung und unserer Kultur.
New Work ohne Kommunikation ist keine Arbeit der Zukunft, sondern ein Missverständnis der Gegenwart.